Erbengemeinschaften

„Erst tieftraurig und dann streitlustig.“

So lautet eine Überschrift in der Informationsbroschüre der Notarkammer. Treffender hätte man den Titel kaum formulieren können. Ein Todesfall bringt in den meisten Fällen ein Erbe mit sich. Während ein Geldbetrag in der Regel harmonisch aufgeteilt werden kann, gestaltet sich dies mit einem Immobilienbesitz deutlich schwieriger.

Doch sowohl Erben als auch Erblasser machen sich häufig zu spät Gedanken um das Erbe. Und so kommt es nicht selten zu einem unschönen Dilemma. In einer Familie gibt es viele Strukturen, die über einen langen Zeitraum entstanden sind. Sei es die nicht akzeptierte Schwiegertochter, der unpassende Beruf oder das berühmte schwarze Schaf der Familie. Streit, Verdrängung und enttäuschte Erwartungen – es gibt viele Gründe weshalb Erblasser das Thema Testament immer wieder aufschieben. So wichtig ein Testament – gerade in solchen Konstellationen – ist, so leicht kann es zu erheblichen Streitigkeiten führen. Denn die Sichtweise des Erblassers auf die Eigenschaften seiner Erben ist niemals frei von Emotionen.

Die Nachkriegsgeneration hatte – wie kaum eine andere Generation – die Möglichkeit, sich mit Fleiß und Ausdauer ein großes Vermögen aufzubauen. Der heutigen Generation werden jedoch gerne letztgenannte Fähigkeiten abgesprochen. Viele Erblasser weigern sich, die stetige Veränderung und den Generationenwechsel zu akzeptieren. Mit dem Erbe werden alte Wunden aufgerissen und es kommt zu Familienstreitigkeiten. Erschwerend kommt bei der Vererbung von Immobilien hinzu, dass eine Reihe von fachlichen Themen bearbeitet und entschieden werden müssen. Hier prallen oft die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander und die Emotionen kochen erneut hoch.

Spätestens dann ist es sinnvoll fachlichen Rat einzuholen. Damit ist jedoch nicht die anwaltliche Klageschrift gegen die Geschwister gemeint, sondern die professionelle Wertermittlung und faire Umsetzung des letzten Willens. Den Schuldigen an den Streitigkeiten sehen die Erben meist im Erblasser selbst. Ihnen fällt es oft schwer zu erkennen, dass ihre Eltern keine perfekten Menschen waren und es nicht selbstverständlich ist, einen wohlgeordneten Nachlass vorzufinden. Gerade die Nachkriegsgeneration hat aufgrund der besonderen Historie ein schwieriges Verhältnis zur Übergabe von Geld- und Immobilienbesitz an die nächste Generation. Die Ursachen sind vielfältig, und sollten im Einzelfall ergründet werden.

Die Nachkriegskinder haben viel erlebt und überlebt – die Herausforderung ihrer Zeit hat bei den meisten von ihnen Spuren hinterlassen: Kriegstraumata, übertriebene Sparsamkeit, Verlustängste. Und dann wurde diese Generation in das Wirtschaftswunder hineingespült. Es wurden Familien gegründet. Nachwuchs kam auf die Welt. Viele waren damit überfordert, doch gesprochen wurde nicht darüber. Es war nicht die Zeit der großen Worte oder der Aufarbeitung von Geschehnissen. Meist unbewusst führte dies zu einer besonderen Prägung der Kinder und legte den Grundstein für tiefgreifende Missverständnisse. Hier sollten sowohl Kinder als auch Erblasser aktiv an einer nachhaltigen Versöhnung arbeiten. Das ist keine leichte Aufgabe, wird aber allen Beteiligten ein gutes Gefühl in der Sache geben. 

Die Aufteilung eines Erbes sollte am Ende nicht in Sieger und Verlierer unterteilt werden. Es gilt, den Blickwinkel neu auszurichten um klug agieren zu können und inneren und äußeren Frieden zu gewährleisten. Erben und Vererben unterliegt einem ständigen Wandel der Gesellschaft und wird immer ein facettenreiches Thema bleiben. Wir begleiten Erbengemeinschaften bei der Auflösung von Immobilienbesitz mit unserer Kompetenz im Bereich der Immobilienwirtschaft und dem dafür nötigen Fingerspitzengefühl für die emotionalen Momente einer Erbschaftsangelegenheit.